Aufruf an die europäischen Ökologisten

Für ein europäisches, ökologisches und globalisierungskritisches Nein!

Wir sind ökologisch engagiert, wir sind bewusste EuropäerInnen und wir sind für eine europäische Verfassung – aber wir werden am kommenden 29. Mai mit Nein stimmen.

Der Verfassungsvertrag der EU wurde von den französischen Grünen stark kritisiert; dennoch wünschte eine Mehrheit, ihn zu unterstützen.

Deshalb haben wir, die französischen Ökologisten, die mit Nein stimmen wollen, diesen Aufruf in Europa gestartet.

Dieser Vertrag gibt Prinzipien Verfassungsrang, gegen die wir uns immer gewehrt haben. Er legitimiert den Produktivismus durch den Liberalismus und stellt sich gegen einen ökonomischen Umbau und gegen jede wirtschaftliche Alternative.

Wir haben uns dafür entschieden, den Kampf für die Bewahrung des Lebens auf diesem Planeten aufzunehmen und dafür Schritt für Schritt die Welt zu verändern, ohne unsere Ideale zu verleugnen. Wir geben unseren großen Traum von Europa nicht auf. Wir akzeptieren kein produktivistisches und liberalistisches wirtschaftspolitisches Programm, das zur Zerstörung Europas beiträgt.

Die Debatte über eine Europäische Verfassung ist ein Moment von grundlegender Bedeutung für die Klärung, was in der europäischen Politik auf dem Spiel steht und damit auch für die Gestaltung unserer Zukunft. Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden und zum Sprachrohr dieser Debatte innerhalb der europäischen Gesellschaft werden.

Nein zu sagen, bedeutet für uns, Fatalismus und Resignation eine Abfuhr zu erteilen.

Es ist falsch, zu behaupten, dass es keine Alternative zum Verfassungsentwurf gibt.
Die politische Integration hin zu einer Europäischen Föderation mit einem Europäischen Parlament und einer Europäischen Regierung muß ernsthaft angestrebt werden [1]. Europa existiert. Zu behaupten, dass es keine Verfassung für Europa gibt, wenn dieser Verfassungsentwurf demokratisch abgelehnt wird, bedeutet, die Herausbildung einer öffentlichen europäischen Meinung anzuzweifeln, die politische Existenz Europas und seine geschichtliche Notwendigkeit.

Aus all diesen Gründen, und weil unsere Gesellschaft das Recht auf eine Debatte hat, muß das Nein der Ökologisten Gehör finden. Unser Nein ist ökologisch und europäisch, ein Nein der Hoffnung auf eine echte Europäische Verfassun, für ein politisches, von seinen Bürgern getragenes föderales Europa, wie wir es immer angestrebt haben.

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[1]: Siehe die einleitenden Bemerkungen von Joshka Fischer in seiner Rede anläßlich der Eröffnungsfeier der Humboldt-Universität Berlin am 12. Mai 2000.